Carmen

Spontantheater zum Bunten Abend 2000

Erster Akt

In einer Tabakfabrik.
Carmen, Manuela, Fabrikarbeiterinnen, Don José, Soldaten.

In einer Tabakfabrik in der beschaulichen Stadt Sevilla entbrannte eines Tages ein Streit zwischen der Zigeunerin Carmen und der (zu spät kommenden) Fabrikarbeiterin Manuela. Nach einem heftigen Wortgefecht (Pause) zückte Carmen ihr Messer und schnitt Manuela ein Kreuz auf die Stirn.
Manuela: "Au, so kann ich nicht arbeiten!"
Sie streicht mit ihren Händen über ihr Gesicht, erblickt das Blut und sinkt zu Boden. Die Fabrikarbeiterinnen scharen sich um sie.
Manuela: "Ein Beichtvater! Ein Beichtvater! Ich sterbe!"
Soldaten, die von draußen das Geschrei vernommen hatten, stürmen in die Fabrik, allen voran Don José. Sie durchschauen die Situation sofort und nehmen die sich sträubende und zeternde Carmen gefangen. Don José fesselt Carmens Hände und führt sie ab. Aber schon auf dem Weg ins Gefängnis entdeckt er die Schönheit ihrer Augen und verfällt ihr sofort. Dennoch muss er seine Leidenschaft unterbinden, des Berufes wegen. Notgedrungen führt er sie in einen finsteren Kerker.

- Vorhang -


Zweiter Akt

Im Kerker.
Carmen, Don José.

Don José schickt seine Kameraden weg und bewacht pflichtbewusst die Gefangene. Carmen allerdings schleicht listig um ihn herum, stupst ihn immer wieder an, trällert vor sich hin und versucht, ihn zu verführen. Don José bleibt standhaft und versucht, Carmens Annäherungsversuche zu ignorieren, doch seine Blicke sind eindeutig.

Aber nun wird er schwach: Seine Hände fangen an zu zittern, die Knie werden schokiweich. Er beginnt unruhig, seine Ohrläppchen zu kneten (eine persönliche nervöse Angewohnheit), und er flüstert zärtlich:
"Carmen, ich werde dich befreien. Komm, lass und f-f-fliehen!"
Die beiden fallen sich leidenschaftlich in die Arme und laufen zusammen in eine ungewisse Zukunft.

- Vorhang -


Dritter Akt

Zigeunerlager.
Bäume, Zigeuner.

Die Zigeuner feiern ein ausgelassenes Fest. Sie genießen die angenehme Luft im Schatten der Bäume, die sich ihres würdevollen Daseins bewusst werden und ausrufen: "Wir sind Fichten, Tannen, Olivenhaine!" Der Schankwirt füllt aus vollen Karaffen die Gläser immer wieder von neuem. Don Ulforo stimmt sein persönliches Trinklied an (singen). Die Gruppe tanzt ausgelassen einen Reigen, indem sie sich an den Händen fasst.

Plötzlich erscheinen Carmen und Don José Hand in Hand. Die Luft beginnt zu knistern, und aus der Ausgelassenheit des Festes wird eine andächtige, stillschweigende Gerührtheit. Wie mit Engelszungen beginnt Carmen zu singen (Habanera).

Carmen und Don José ziehen sich in den Schatten der Bäume zurück. Die Gruppe der Zigeuner zieht sich in das Haus des Schankwirts zurück, wo er mehr Los Quenschos eines erstklassigen Jahrgangs gelagert hat.

Carmen: "Wo sind meine Kastagnetten? So kann ich nicht arbeiten. Heute geht aber auch alles schief!"
José: "Aber, nein, süße Schnecke! Ich kann es nicht ertragen, wenn du, mein Putzibärli, Mausi, mein Morgentau, du meine Abendröte! Wenn du, Carmen, du größte aller schwebenden Nymphen, solch schiefe Gedanken in deinem wohltemperierten Herzen trägst!"
Carmen: "Das einzige, was mir die trüben Gedanken vertreiben könnte, sind meine ces-moll-gestimmten Kastagnetten, die ein herzrührendes des hervorbringen und in herrlichster Harmonie klingen."
José: "Spiele mir doch das gis im Tenorschlüssel. Du weißt doch, was das ist? Ich bin mir da nämlich nicht so sicher!"

José findet die Kastagnetten, die am Ast der Tanne hängen. Carmen und Don José beginnen mit Hingabe, die "Spanische Königin" zu tanzen. Sie werfen sich feurige Blicke zu. Mitten in ihrem Tanz werden die beiden von einer Don José wohl bekannten Fanfare aufgeschreckt (Trompete), die ihn zum Dienst an Volk und Vaterland zurückrufen soll.

José: "Meines Herzens Schöne, unsere Stunde hat geschlagen. Ich muss zurück zum Dienst an der Waffe!" (zückt Dirigentenstab)
Carmen (beleidigt, enttäuscht): "Der, dessen Liebe wirklich brennt, sich nie von seiner Liebsten trennt. Wer nun tut brav zum Dienste rennen, dem sein Herz wird ewig brennen."
José: "Aber Teure..."
Carmen: "Wenn du krass konkret mit Flex in Krieg, dann..., dann... geh doch, wo du wohnst, du Aushilfsbratscher, du!"

In Folge dieser herzzereißenden, erschreckenden Drohung entschließt sich José, zu bleiben und fällt Carmen zu Füßen.

Konsequenz dieser verhängnisvollen Entscheidung: Soldat verliert Job.

- Vorhang -


Vierter Akt

Kneipe.
Zigeuner.

Um den arbeitslosen Don José und sich selbst über Wasser zu halten (Aushilfsbratscher sind mal wieder nicht gefragt), hat Carmen einen Job auf 630-Mark-Basis in dem Schankwirt seinem Schuppen gekriegt. Dort serviert sie eines Abends dem charmanten Stierkämpfer Escamillo ein Glas Los Quenschos und sagt in einem verführerischen Ton: "Los, auf Ex! Hau weg die Scheiße! Hop, hop, hop und rin in'n Kopp! Nicht lang schnacken, Kopf in'n Nacken!" Er ist sogleich von ihrem Charme in ihren Bann gezogen und beginnt ein Lied über seinen Mut und seine Stierkampfkunst, um ihr zu imponieren: "Ey, wenn der Kuchen redet, haben die Krümel Pause!"

- Vorhang -


Fünfter Akt

Stierkampfarena.

Um ihre neue Süßnase Escamillo wiederzusehen, geht Carmen zu seinem nächsten Stierkampf. Die Menge strömt in die Arena und bildet einen Kreis. Der Stier trampelt schnaufend in die Arena. Die Menge jubelt voller Begeisterung, welche sich zu einer euphorischen Extase steigert, als Escamillo mit stolzem Blicke in die Arena schreitet. Nun beginnt ein wilder Kampf. Der Stier rennt mit einem wütenden Schnauben direkt auf Escamillo zu, der herausfordernd sein rotes Tuch schwingt. Escamillo schwingt sich waghalsig auf den Rücken des Stieres, und ein wilder Ritt beginnt. Letztendlich siegt der Torero nach einem langen, zähen Ringen, und der Stier sinkt getroffen zu Boden. Dabei lässt er ein morendo-"Mjølk" ertönen.

Carmen rennt verzückt auf den siegreichen Escamillo zu, der von der Menge bejubelt wird. Er trägt sie stolz durch die Arena. Sie laufen an Don José vorbei, der auf der Stelle vor Hass und Eifersucht knallrot anläuft und beginnt, kampflustig mit dem Becken zu schwingen. Carmen beachtet ihn nicht. Die beiden treten aus der Arena heraus, und Don José folgt ihnen - immer noch mit dem Becken kreisend und mit den Armen eine unsichtbare Pyramide auseinander drückend. Escamillo zieht mit seinen Fans in den Schankwirt seinen Schuppen ab.


Finale

Don José und Carmen bleiben allein auf dem Vorplatz der Arena zurück.
José (zerrüttet, wild, hasserfüllt): "Das also ist der Dank meiner ewigen Liebe! Wenn ich dich nicht haben kann, dann soll dich auch kein anderer bekommen, Torte! Ach, Carmen, nach mir gibt es für dich nur noch den Tod (hebt bedrohend den Notenständer wie einen Dirigentenstab). Mein Totenständer wird zu deiner letzten Waffe!"
Carmen (dummbratschig guckend): "Auf- oder Abstrich? Häh??"
José: "Schnidde, überleg` dir schon mal das Leitmotiv für dein Requiem!"
Carmen: "Was ist denn jetzt schon wieder?"
José: "Du bist jetzt mal still!"
José erschlägt Carmen mit dem Totenständer.
Carmen (sterbend): "Heute geht aber auch alles schief!"

- Vorhang -